10.05.2010, 12:58

Spielname: Metal Gear Solid: Peace Walker
Publisher: Konami
Entwickler: Kojima Productions
Altersfreigabe: ab 16 Jahre
Sprache: Deutsch (Test der jap. Version)
Genre: Stealth-Action
Veröffentlichung: UMD
Angebot:
- MGS: Peace Walker
Metal Gear Solid: Peace Walker wurde von Hideo Kojima selbst als wahrhaftiges MGS 5 und nicht nur als tragbare Version der vollwertigen PS3-Serie bezeichnet. In der japanischen Famitsu bekam es die ultimative Traumwertung von 40/40 Punkten. Auch von anderen Stellen wurde das neue Stealth-Abenteuer mit Lob überschüttet. Unser Review verrät euch, ob dieser Hype gerechtfertigt ist. Der Test bezieht sich auf die bereits erhältliche japanische Version, die sich (bis auf eine Cutscene) von der deutschen Version aber nur in der Sprachausgabe und Beschriftung unterscheidet.
Ihr schlüpft erwartungsgemäß wieder in die Rolle des mittlerweile in die Jahre gekommenen Snake. Wir schreiben das Jahr 1974, unser Protagonist hat sich mittlerweile eine kleine Armee in Südamerika aufgebaut und wird zu einem Einsatz im vermeintlich friedlichen Costa Rica berufen, wo er einige Infiltrationen anstellen soll. Doch so friedlich wie gedacht, ist die Region nicht, eure Mission beginnt.

Beim Start des Spiels wird man dazu aufgefordert eine Daten-Installation vorzunehmen. Diese dient dazu die Ladezeiten im Spiel zu verkürzen. Ihr habt je nach eurer freien Kapazität auf dem Memory Stick die Wahl zwischen einer 330 MB und einen 800 MB großen Installation. Im Hauptmenü angelangt, erstellt ihr euch zunächst ein Profil und werdet dann nach diversen Zwischensequenzen zu einer Art Tutorial geleitet, das euch die wichtigsten Moves erläutert. Bei den im Manga-Style gehaltenen Cutscenes fällt auf, dass diese nun auch interaktiv sind. So kann man etwa einen Raketenwerfer betätigen und muss einen Helikopter vom Himmel holen, während die Cutscene in Echtzeit weiter läuft. Für Japan-Importeure: Die Cutscenes sind in englischer Sprache gehalten und auch die wichtigsten Menübefehle könnt ihr im westlichen Zeichensatz lesen.
Nachdem ihr die erste Mission bewältigt habt, bekommt ihr Zugriff auf die Motherbase mit ihren dezent überladen wirkenden Menüs. Von hier aus könnt ihr nicht nur alle Missionen anwählen und in Versus-Gefechte einsteigen, sondern auch eure Waffen upgraden und euer Team verwalten. Das Spiel unterscheidet zwischen Hauptmissionen, welche die Story vorantreiben und Extramissionen, bei denen ihr neue Items und Waffen sammeln könnt. Auch einen Schießstand, auf dem ihr eure Zielgenauigkeit verbessern könnt, hat es ins Game geschafft. Die Hauptmissionen sind zahlreich, dafür aber nie besonders lang. Zudem wird euch nie das gesamte Areal offen zur Verfügung gestellt. Die Levels sind jeweils in Abschnitte aufgeteilt, die von kurzen Ladezeiten unterbrochen werden. Auf einer Übersichtskarte wird euch angezeigt, wo ihr euch gerade befindet. Wenn ihr getötet werdet, müsst ihr leider die Mission ganz von vorne beginnen.

Die Aufgaben in den Missionen sind verschieden. Es geht um Infiltration, Finden von Gegenständen, Zerstören von Einrichtungen und vieles weitere. Vor einer Mission findet jeweils eine Einsatzbesprechung statt, die euch die Ziele verdeutlicht. Der Hauptteil besteht aber immer noch darin sich unentdeckt durch die Levels zu schleichen. Das Bewegunsrepertoire reicht von Laufen, über Klettern, bis hin zu Hangeln und Ausweichmanövern. Leider fehlen bei diesem Punkt zwei wichtige Gameplay-Elemente, die im Vorgänger Portable Ops noch zur Verfügung standen. So kann man sich zwar hinlegen, aber in dieser Haltung nicht über den Boden robben. Das Verstecken unter Fahrzeugen etc. fällt somit flach. Weiterhin könnt ihr euch zwar an die reichlich verteilten Bäume, Mauern, Zäune etc. mit dem Rücken anlehnen, aber ihr müsst in dieser Position dann verharren und könnt nicht seitlich schleichen und um die Ecke schauen. Dabei wäre dies von großem Vorteil gewesen, denn die KI der Feinde ist eine echte Herausforderung. Kommt ihr in deren Sichtfeld, so werdet ihr auch entdeckt und verfolgt. Die Gegner schießen nicht nur auf euch, sondern schleichen sich auch an euch an und rufen Verstärkung.
Diesbezüglich zeigt sich auch der nächste große Kritikpunkt. Wie beim Vorgänger lässt sich das Spiel in hektischen Situationen, also vornehmlich wenn ihr entdeckt wurdet, schlecht beherrschen. Dies liegt zu einen an der unausgereiften Steuerung, die keine schnellen Manöver zu lässt, als auch an dem ungünstig programmierten Item- und Waffenmenüs, bei denen ihr oft daneben greift, wenn es schnell gehen muss. Es ist kaum möglich die Feinde zu treffen, wenn sie nah bei euch stehen, denn das Fadenkreuz lässt sich aufgrund der Tastenbelegung nicht präzise genug steuern und die zumeist schlecht positionierte Kamera trägt ihr Übriges dazu bei. Zwar gibt es auch eine Auto Aim Funktion, aber diese visiert die Feinde nicht zuverlässig genug an. So verliert ihr oft die Übersicht und rettet euch am besten, indem ihr erstmal ein Stück weg lauft. Hierbei hätte man sich an dem System von Syphon Filter halten sollen, das in dieser Hinsicht vorbildlich ist. Ihr solltet also darauf achten, dass ihr erst gar nicht gesehen werdet. Dazu steht euch neben eurem eigenen Auge auch wieder das Geräuschsonar zur Verfügung, das die Lautstärke eurer Aktionen grafisch darstellt. Neben den menschlichen Opponenten, müsst ihr es jedoch auch mit gewaltigen Panzern oder Flugobjekten aufnehmen. Hier ergeben sich regelrechte Schlachten, denn die Umgebung ist zum Teil auch zerstörbar.

Vom Umfang her wird euch Gewaltiges geboten. Es gibt immer wieder was zu erledigen und die Story ist fesselnd. Auch der Wiederspielwert ist aufgrund der zahlreichen Extras und das Aufleveln der Charaktere und Waffen gewahrt. Dazu gesellt sich die Möglichkeit alle Missionen Co-Op zu spielen. Natürlich ist auch wieder ein sehr guter Online-Multiplayer mit altbekannten Spielen wie Deathmatch und Capture the Flag an Bord, der voll zu überzeugen weiß. Das Waffen-Arsenal ist umfassend und reicht von kleinen Pistolen über Granaten bis hin zu großen Geschützen. Betäubten Gegnern könnt ihr zudem Munition und andere Items abnehmen. Es empfiehlt sich Feinde lautlos zu eliminieren, entweder durch einen Kopfschuss mit einer Schalldämpferpistole oder durch Genick verdrehen von hinten. Mit dem Fulton System könnt ihr sie von der Stelle katapultieren und so eurem Team hinzufügen und euch von ihnen mit ihren variierenden Fähigkeiten unterstützen lassen. Natürlich hat es auch die schon zum Kult gewordene Card Box wieder ins Spiel geschafft, mit der ihr euch verstecken könnt. Neue Items sind etwa der Walkman, mit dem ihr Musik hören könnt oder ein System, das euch unsichtbar macht. Insgesamt fehlt aber der Flow beim Einsatz der Gadgets, wie er etwa in der Konkurrenz von Syphon Filter besteht.
Das Jointventure mit Assassin’s Creed und der Monster Hunter Serie wurde gut und witzig ins Spiel integriert. Es wirkt nicht übertrieben und ist dem Gameplay noch zuträglich. Auch die von vielen Leuten bemängelte Werbung in Form von Product Placement hält sich in Grenzen. So findet man ab und zu eine Flasche Pepsi oder eine Tüte Doritos, aber dies wirkt absolut nicht störend. In grafischer Hinsicht kann Peace Walker ohnehin voll überzeugen. Die Landschaften sind detailreich und interaktiv benutzbar. Die Areale sind deutlich abwechslungsreicher als in Portable Ops und reichen vom Dschungel bis hin zu Stränden, Bergketten und Militärbasen. An visuellen Effekten wie Rauch, Mündungsfeuer, Explosionen und vielem mehr wird euch dabei ein wahres Feuerwerk geboten. Ins Stocken gerät das Spiel zu keiner Zeit. Auch der Sound fügt sich nahtlos in die tolle Präsentation ein und weiß mit stimmigen Klängen, voll synchronisierter Sprachausgabe und krachenden Toneffekten zu überzeugen. Um in den vollen Genuss zu kommen, solltet ihr mit Kopfhörern spielen.

Peace Walker macht Vieles richtig, bietet einen gigantischen Umfang und stellt seinen Vorgänger damit in den Schatten. Auch innovative Ideen sind nicht zu kurz gekommen und die Optik setzt Maßstäbe. Kojima hat versucht alles in Spiel zu packen, was irgendwie ging. Leider hat man dabei essentielle Dinge übersehen und es versäumt die Steuerung und die Kamera benutzerfreundlicher zu gestalten, was eine absolute Top-Wertung verhindert. Trotzdem ist das Spiel nicht nur für Snake-Fans zu empfehlen, da es stundenlangen Spielspaß, eine packende Story und herausragende Multiplayer-Optionen bietet. An den Charme und die immer noch unerreichte Spielbarkeit des ersten Metal Gear Solids kommt es aber nicht heran.
Gameplay: 80 %
Grafik/Sound: 90 %
Langzeitspaß/Umfang: 90 %
Multiplayer: 90 %
Wertung: 87 %
PSP
;))